Zappelsyndrom

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Marie ist unkonzentriert, in der Schule oder auch bei Hausaufgaben fällt es ihr schwer, für längere Zeit still zu sitzen, sie tut sich schwer dabei, sich an Regeln zu halten. Da stellt sich schnell die Frage, ob es sich einfach um ein aufgewecktes, quirliges Kind handelt – oder ob womöglich ein Problem vorliegt und Marie die Hilfe Ihrer Eltern benötigt. Die Ursachen für die Unkonzentriertheit und die überschüssige Energie können zahlreich sein.  

Die Auswirkungen der Unkonzentriertheit und die überschüssige Energie kann für Ihr Kind problematisch und belastend sein. Durch Unkonzentriertheit und Stören im Unterricht können die Noten zunehmend schlechter werden. Obwohl Ihr Kind seine Regeln kennt, trägt es zu viel Energie in sich, die freigelassen werden möchte. Es begeht also vielmehr unbeabsichtigt als mutwillig Regelbruch. Das kann dazu führen, dass sich Ihr Kind in der Schule unwohl fühlt, vielleicht sogar Ängste entwickelt. Da es Ihrem Kind durch seine zunächst unzubändigende Energie meist schwerfällt, sich anzupassen oder Rücksicht zu nehmen, kann es auch im sozialen Umfeld zu Problemen kommen. Durch teils lauteres Sprechen und den überausgeprägten Bewegungsdrang kann der Kontakt zu ihrem Kind für andere Kinder schnell anstrengend werden. Oft beendet oder wechselt Ihr Kind unvermittelt seine Tätigkeiten, was das gemeinsame Spielen für andere Kinder hektisch und mühsam machen kann. Bei Enttäuschung oder Wut fällt die Reaktion Ihres Kindes teilweise stärker aus als bei Gleichaltrigen. Diese „Andersartigkeit“ und Individualität Ihres Kindes kann dazu führen, dass Ihr Kind in der Schule ungewollt isoliert wird.

Aber wie kommt es dazu, dass manche Kinder so viel überschüssige Energie aufweisen, andere wiederum nicht? Hierfür sind die Erklärungen vielseitig, zum Teil auch in der Presse und den Medien umstritten. Die einfachste aller Möglichkeiten wäre, dass Ihr Kind einfach Bewegungsmangel zu schaffen macht. Dieser lässt sich durch ein regelmäßiges Sportprogramm und viel Zeit an der frischen Luft ausgleichen. Natürlich ist es auch möglich, dass ADHS vorliegt. Laut betanet.de, das größte Portal für psychosoziale und sozialrechtliche Informationen im Gesundheitswesen, sind  in Deutschland schätzungsweise 500.000 Kinder und Jugendliche von ADHS betroffen (mehr dazu).

Dem erhöhten Bewegungsdrang und Unkonzentriertheit könnte jedoch auch eine andere Ursache haben, die in der Regel außer Acht gelassen wird: die noch andauernde Aktivität von Urreflexen. Urreflexe oder frühkindliche Reflexe sind von der Natur gegeben und in den ersten Lebensjahren überlebensnotwendig. Später, wenn sie nicht mehr gebraucht werden und für die weitere Entwicklung des Kindes eher hinderlich sind, werden sie in der Regel automatisch integriert, sind also nicht mehr aktiv. Dennoch kommt es manchmal vor, dass diese Integration nicht von selbst stattfindet. Dann bleiben die Urreflexe aktiv und hindern die Kinder zum Beispiel daran, still zu sitzen und konzentriert zu arbeiten.

Tritt das auf, könnte also zunächst untersucht werden, ob noch frühkindliche Reflexe aktiviert sind. Gern teste ich die Aktivität der Urreflexe bei Ihrem Kind. Nach einem Erstgespräch werden körperliche Tests, die die Bewegungsentwicklung und Situationswahrnehmung des Kindes feststellen, durchgeführt. Sie tun nicht weh und sind meist sehr aufschlussreich. Sollte sich der Verdacht auf aktivierte Urreflexe bestätigen, würde ich in den Folgesitzungen mit einer speziellen Form des Bewegungstrainings, dem sogenannten Reflex-Integration-Training, beginnen. Im Zuge des Trainings werden die Reflexe gezielt integriert und werden Übungen für das Training zu Hause gezeigt, welches Sie mit Ihrem Kind zuhause durchführen. 

Was aber tun, wenn sich herausstellt, dass bereits alle frühkindlichen Reflexe integriert sind?

Dann bleiben noch immer vielfältige Behandlungsweisen. Tatsache ist, dass in jedem Fall Regeln in Ihren Alltag integriert werden sollten, die Ihr Kind im Zusammenleben mit Freunden oder Familie unterstützen. Wir können gemeinsam Methoden und Möglichkeiten entwickeln, wie sie beispielsweise Grenzen setzen, Hausaufgaben begleiten oder ihr Kind dabei unterstützen können, zunehmend die Kontrolle über sein Verhalten zu übernehmen. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass Ihr Kind ausreichende Möglichkeiten zur Bewegung hat. Gern können wir auch darüber sprechen, welche Möglichkeiten Ihnen und Ihrem Kind hier zur Verfügung stehen. 

Und vergessen Sie nicht: Ihr Kind ist wild, frech, laut, einzigartig, zauberhaft und liebenswürdig – genauso darf und soll es sogar sein. Auch falls es tatsächlich häufig etwas zu wild und zu lebhaft sein sollte und sich dadurch selbst im Weg steht, finden wir eine kindgerechte Lösung.