„Schulbauchweh“

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Seit Leon in die fünfte Klasse gekommen ist, hat sich einiges geändert. Obwohl er immer ein fröhliches und aufgewecktes Kind war, wirkt er jetzt in sich gekehrt. Beim Frühstück kriegt er kaum einen Happen runter, ist unausgeschlafen und klagt über Bauchschmerzen. Er bittet mich, dass ich ihn für den Unterricht entschuldige. Das habe ich am ersten Tag auch getan, aber als die Symptome nachließen, schickte ich ihn wieder zur Schule. Am Anfang dachte ich, dass er krank wird, doch die Beschwerden halten jetzt seit Wochen an. Schlimmer werden sie nicht, doch besser auch nicht. Am Wochenende treten sie nicht auf. Seine Nachmittage verbringt er meist alleine in seinem Zimmer. Auf Besuch von Freunden hat er keine Lust. Ich würde ihm so gerne helfen, aber ich weiß nicht wie.

Eine sehr unangenehme Situation für Eltern: Ihrem Kind geht es nicht gut, doch Sie wissen einfach nicht, warum. Wo soll man ansetzen? Was kann man tun, um zu helfen?

Wenn Ihr Kind sich morgens häufig unwohl fühlt, über Übelkeit, Bauch- oder Kopfschmerzen klagt, ist es gut möglich, dass diese gesundheitlichen Beschwerden im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Unterricht stehen. Die Ursache dieses Unwohlseins hängt meist mit Ängsten vor der Schule zusammen. Das kann mit der Schule im Allgemeinen, bestimmten Unterrichtsfächern, Lehrern, aber auch mit Mitschülern oder negativen Erfahrungen zusammenhängen. Unter „Schulbauchweh“ und „Schulangst“ leidet übrigens rund jeder fünfte Schüler in Deutschland.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                

Dabei kann Angst vor der Schule auf vielerlei Weise entstehen. So ist es möglich, dass sich Ihr Kind einem zu hohen Druck ausgesetzt fühlt oder dass es das Gefühl hat, den eigenen Erwartungen oder denen seines Umfelds nicht gerecht zu werden. Daraus kann sich im Folgenden bspw. auch eine Angst vor Prüfungssituationen oder dem Unterricht im Allgemeinen entwickeln. Besonders Kinder mit einer selbstkritischen und perfektionistischen Veranlagung neigen zu solchen Ängsten. Es ist wichtig, das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein Ihres Kindes zu stärken. Richten Sie gemeinsam mit Ihrem Kind den Fokus auf seine Stärken, seine Talente, seine Fähigkeiten und Kenntnisse, damit es selbstsicherer in den Unterricht und in Prüfungssituationen gehen kann. Schulbauchweh kann also ein Symptom von Prüfungsangst sein. Dem Thema Prüfungsangst habe ich einen eigenen Artikel gewidmet. Weitere Wege zur Unterstützung Ihres Kindes finden Sie hier.

Möglich ist es auch, dass der Ursprung des Bauchwehs nicht in schulischen Leistungen, sondern sozialen Zusammenhängen liegt. So kann Ihr Kind Bauchweh bekommen, weil es den Kontakt mit Mitschülern oder Lehrern fürchtet. Diese Angst kann aus negativen Erfahrungen während des Schulalltag entstehen.  Mobbing oder soziale Ausgrenzung spielen hier oft eine große Rolle. Ihr Kind kann Angst davor haben sich zu blamieren, beobachtet oder bewertet zu werden. Auch kann sich Ihr Kind Gruppenzwängen ausgesetzt fühlen, dem es eigentlich nicht „Folge leisten“ möchte. Erfahrungen, Ängste und Wahrnehmungen dieser Art können in einer generellen Schulangst und Schulbauchweh enden. Ein geringes Selbstwertgefühl und mangelnde Selbstsicherheit spielen hier eine bedeutende Rolle. Unter solchen Umständen ist es nur allzu verständlich, dass sich Ihr Kind in der Schule unwohl fühlt und deshalb unter Schulbauchweh leidet.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass sich Ihr Kind nicht wohlfühlt, dann versuchen Sie, ein offenes, ehrliches, liebevolles und dennoch lockeres Gespräch mit Ihrem Kind zu führen. Nur wenn Sie gemeinsam mit Ihrem Kind die Ursache seiner Ängste und seiner Bauchschmerzen finden, können Sie ihm helfen. 

Eventuell würde sich auch ein Gespräch mit seinen Lehrkräften anbieten. Achten Sie dabei darauf, dass sich Ihr Kind diesem Lehrer gegenüber wohl fühlt und einem Gespräch mit der Lehrkraft zustimmt. Respektieren Sie es, wenn Ihr Kind sich gegen diesen Weg ausspricht.

Wenn Ihr Kind sich im Schulumfeld nicht angenommen und ausgeschlossen fühlen, sehnt es sich meist stark nach sozialer Anerkennung, Zuneigung und Zuspruch. Deshalb ist es gerade hier wichtig, dass es diese im geschützten familiären Umfeld erfährt. Sie sollten ohne Mitleid, aber mit Geduld, Fürsorge, Liebe und Verständnis auftreten und ihrem Kind erklären, dass Ängste normal und in Ordnung sind. Durch Ermutigungen und Lob können Sie das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein Ihres Kindes stärken.  Haben Sie immer ein offenes Ohr, falls es über seine Gefühle oder Probleme sprechen möchte.

Manchmal gelingt es einem Außenstehenden eher, Zugang zu Ihrem Kind zu bekommen. Sich zu öffnen, über seine Ängste und Probleme mit den Eltern zu sprechen, fällt vielen Kindern schwer. Gern können Sie sich in solchen Fällen an mich wenden! Auch kann ich mit Ihrem Kind, nachdem ich mir einen Überblick über sein Wesen, seinen Schulalltag, seine Ängste, Probleme oder Auffälligkeiten verschafft habe, ein individuelles Coaching durchführen. Es hilft Ihrem Kind sich selbstbewusster in sozialen Interaktionen zu bewegen. Weitere fachgerechte Methoden haben mir erfolgreich im Coaching mit Kindern bei Schulbauchweh und -angst geholfen, Blockaden und Ängste zu lösen. Dazu gehören zum Beispiel iERT, EFT oder IMAL Fantasiereisen. Kommen Sie gerne auf mich zu!

Generell gilt: da die Schulangst womöglich im Umfeld der Schule entstanden ist, sollte sie auch dort bewältigt werden. Versuchen Sie nicht, Ihr Kind vor den Situationen zu schützen, indem Sie es von diesen fernhalten. Das unterstützt das Vermeidungsverhalten des Kindes und führt vielmehr dazu, dass die Angst vor der Schule steigt. Sie können Ihrem Kind am meisten helfen, wenn Sie ihm den Rücken stärken, es auf Herausforderungen und Probleme vorbereiten und schließlich „allein üben lassen“. So können Sie Ihrem Kind langfristig helfen.