Prüfungsangst

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Schon als Herr Meier die Klassenarbeit umgedreht vor mir auf den Tisch legt, spüre ich, wie mein Herz wie wild zu klopfen beginnt. „Ihr dürft anfangen. Viel Glück!“ – mit zitternden Händen drehe ich das Blatt um und beginne zu lesen. Das sind aber viele Fragen. Kann ich das überhaupt alles in einer Stunde schaffen? Nervös blicke ich mich im Raum um, suche den Blick meiner Freunde, die jedoch konzentriert zu schreiben beginnen. Auch ich muss langsam mal loslegen, wäre auch blöd unnötig Zeit zu verlieren. Ich versuche die Übelkeit zu ignorieren und suche verzweifelt nach einer Frage, die ich direkt beantworten kann. Kann doch nicht so schwer sein, ich habe schließlich viel für die Arbeit gelernt! Doch das lästige Rauschen in meinen Ohren und das Kratzen der Füllerfedern meiner Mitschüler lassen keine Konzentration zu. Panik breitet sich in meiner Brust aus. Ohne dass ich es verhindern kann, steigt sie in meinen Kopf und lähmt meine Gedanken. Mir ist richtig elend zumute. Ich merke, wie sich meine Augen mit Tränen füllen. Jetzt bloß nicht noch anfangen, zu weinen! 

Vielen Kindern sind diese Gefühle und Gedanken bei Klassenarbeiten oder Referaten leider nicht fremd. Unter solchen Bedingungen ist es schwer, sich auf die Prüfung selbst zu konzentrieren. Häufig leiden die Noten – und die Angst vor der nächsten Klassenarbeit wächst. Versagensängste, denen sich das Kind ohnmächtig ausgeliefert fühlt, führen zu Denk- und Handlungsblockaden. Am Morgen bevorstehender Prüfungen ist das Kind meist unausgeglichen, gereizt, klagt vielleicht auch über Nervosität, Bauchschmerzen oder Übelkeit. Lehrer beklagen den auffälligen Unterschied zwischen mündlicher und schriftlicher Leistung.

Erkennen Sie Ihr Kind hier wieder? Haben Sie schon einmal daran gedacht, dass Ihr Kind unter Prüfungsangst leiden könnte? Prüfungsangst kann ein ziemlicher Teufelskreis sein. Lernen reicht leider nicht aus, um ihm zu entkommen. In Prüfungssituationen überwiegen die Ängste und die Lerninhalte scheinen vergessen. Die gute Nachricht: Sie können Ihrem Kind helfen, den Fokus auf seine Stärken, Talente und seinen Selbstwert zu richten, damit es lernt, mit Prüfungssituationen und anderen Herausforderungen entspannter und selbstsicherer umzugehen. 

Warum haben manche Kinder mit Prüfungsangst zu kämpfen? Zum einen können vorausgegangene negative Erfahrungen für die Entstehung der Angst sorgen. Ihr Kind hat hohe Erwartungen an sich, setzt sich unter Druck und vergleicht sich mit seinen Mitschülern. Seine Selbstsicherheit und sein Selbstbewusstsein spielen hier eine große Rolle.

Ein Patentrezept gegen Prüfungsangst? Das gibt es nicht. Menschen sind Individuen mit ganz eigenen Wahrnehmungen, Empfindungen, Erlebnissen. Eines ist jedoch für jedes Kind wichtig: Lassen Sie es mit seinen Ängsten nicht allein! Unterstützen Sie Ihr Kind sowohl aktiv als auch passiv im Umgang mit Prüfungssituationen und den daraus resultierenden Gefühlen. Feiern Sie beispielsweise Erfolge beim Lernen. Das macht die Prüfungsvorbereitung angenehmer und ihr Kind verbindet die Prüfungsvorbereitung mit positiver und ausgelassener Atmosphäre. So bleibt auch weniger Raum für „störende“ Gedanken, Ängste oder Empfindungen von Druck. Sprechen Sie außerdem mit Ihrem Kind über seine Gedanken, Gefühle und Sorgen. Helfen Sie ihm, seine Persönlichkeit, seine Stärken, seine Leistung und auch Prüfungssituationen realistischer zu betrachten. Auch können Sie motivierende Mantras in die Vorbereitungsphase einführen wie „Ich schaffe das!“ oder „Ich kann das!“. Irgendwann wird es die Sprüche verinnerlichen und selbst daran glauben. Genauso ist es mit Lob. Ein liebevoller Umgang und positive Bestärkung helfen ihrem Kind, Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein aufzubauen. Außerdem lernt es auf diese Weise auch einen liebevolleren Umgang mit sich selbst. 

Neben einer entspannteren und positiveren Lernatmosphäre, können Sie auch Übungen zur Entspannung Ihres Kindes praktizieren, wie beispielsweise autogenes Training. Sie können Ihr Kind auch für wohltuende, bewusste und tiefe Atemzüge sensibilisieren. Rituale vor Prüfungssituationen sind eine weitere schöne Möglichkeit die Anspannung vor Prüfungssituationen zu lockern. Ein Glücksbringer in der Tasche oder die Glückssocken an den Füßen können schon für Beruhigung und Zuversicht sorgen.     

Sollten sich die Ängste zu sehr verfestigt haben oder Ihr Kind nicht über die Angst sprechen wollen, weil ihm sogar das Sprechen über seine Gefühle in Prüfungssituationen Unbehagen bereitet, können Sie mich gern kontaktieren. Im Rahmen meines Coachings erarbeite ich gemeinsam mit Ihrem Kind Methoden und Techniken, mit denen es langfristig lernt, mit Prüfungssituationen umzugehen. Einige der Methoden sind iERT, EFT oder IMAL Fantasiereisen. Die Inhalte meines Coachings passe ich individuell an die Bedürfnisse Ihres Kindes an.

In jedem Fall ist wichtig: das Problem zu erkennen und eine Lösung zu suchen. Denn durch Verständnis und Rückhalt wächst das Selbstbewusstsein Ihres Kindes. So kann es lernen, stressigen Situationen entspannter und selbstständiger entgegenzublicken.